20 Jahre Bürgerstiftung Mittelhessen

So wie Moderator Willi Weitzel ging es wohl dem Großteil des Auditoriums: »Ich bin beeindruckt«, sagte er in Richtung Emilie Hanstein und Luke Schaaf. Mit ihnen wurden noch einmal die Gewinner des Ehrenamtspreises für junge Menschen 2024 vorgestellt. Und wie schon bei der Auszeichnung Mitte April in der Sophie-Scholl-Schule imponierten die junge Lollarerin und der Ehrenamtler aus Rüddingshausen auf der Bühne des Gießener Stadttheaters mit ihrem Engagement. Mit der Fragerunde sorgte das Gespann für einen der Höhepunkte der Geburtstagsfeier, die die Bürgerstiftung Mittelhessen zu ihrem 20-jährigen Bestehen in Gießens Kulturtempel abhielt.

Die besondere Ausrichtung imponierte auch Theaterintendantin Simone Sterr bei ihrer Begrüßung. So freute sie sich über »unglaublich viele prominente Menschen bei uns« und wünschte sich angesichts der vollen Sitzreihen einen ähnlich guten Besuch bei mancher Premiere ihres Hauses.

Die gute Grundstimmung zog sich durch den ganzen Abend, der trotz seiner über zwei Stunden währenden Bühnenpräsenz nie langweilig wurde. Das Programm war mithilfe verschiedener Medien und unterschiedlicher Gesprächsformen abwechslungsreich gestaltet. Und beinhaltete mit dem Posaunentrio »Con Brio« vom Philharmonischen Orchester des Theaters auch gekonnte musikalische Einsprengsel. In drei Kurzfilmen wurden Werner Schiffner, ein Stifter der ersten Stunde der Bürgerstiftung, die Lebenshilfe Gießen als Spendenempfänger und die Stiftung Zeltlager Eckmannshain vorgestellt.

Auf die Gründung des Geburtstagskindes ging Festredner Volker Bouffier ein. Anfang der 2000er Jahre habe es bundesweit einen Trend hin zu Bürgerstiftungen als übergeordnete Instanz für die zahlreichen kleinen Stiftungen gegeben. Daraufhin habe er als damaliger Innenminister einen Stiftertag in jeder Region Hessens ins Leben gerufen. Hierzulande habe dieser 2003 im Forum der Volksbank Mittelhessen stattgefunden. Ein Jahr später sei die Gründung der Bürgerstiftung auf Initiative von Dr. Peter Hanker, dem Vorstandssprecher des Geldinstituts, erfolgt.

Der frühere Ministerpräsident Bouffier lobte die Bürgerstiftung als Einrichtung, die die »ganze breite Palette« fördern könne. Mit ihr könne man auch als kleine Stiftung im größeren Rahmen etwas tun. Generell seien Stiftung und Ehrenamt unverzichtbar für eine demokratische Gesellschaft, sagte der CDU-Politiker. In Zeiten wie diesen böten sich für Stiftung und Ehrenamt große Chancen. »Je verrückter die Zeiten werden, umso mehr braucht es Orientierung.«

»Ehrenamt bringt in Summe viel Freude«

In einer ersten Gesprächsrunde ergänzte Bouffier, dass sich fast 40 Prozent der Bürger ehrenamtlich engagierten, in »höchst unterschiedlicher Form«. Ehrenamt mache nicht jeden Tag Spaß, bringe aber in Summe viel Freude, sagte er.

Katharina Lorenz, die Präsidentin der Justus-Liebig-Universität Gießen, musste eingestehen, dass das Ehrenamt wissenschaftlich noch nicht gut erforscht sei, auch nicht an ihrer Hochschule. »Da gibt es noch viel zu tun.« Aber gerade Studierende zeigten oft ehrenamtliches Engagement, wollte sie nicht unerwähnt lassen. Dr. Stefan Nährlich von der Stiftung Aktive Bürgerschaft hob hervor, dass man mit einer Stiftung am meisten von dem tun könne, was der Gesetzgeber erlaube.

Klaus Arnold, der mit dieser Legislaturperiode scheidende Vorsitzende der Bürgerstiftung, hob hervor, dass diese eine Fokussierung von Menschen in der Region darstelle, die etwas Gutes tun wollten. So seien auch schon drei Neugründungen in diesem Jahr zu verzeichnen. Bisher vereint die Bürgerstiftung 14 Partnerstiftungen und Stiftungsfonds.

Dr. Franz Wagner von der Hallo-Welt-Stiftung erwähnte im Gespräch mit Weitzel das dankbare Gefühl, das man von den unterstützten Menschen erhalte. »Es versickert nicht alles, was wir mit unserem Engagement geben«, beleuchtete er die Reaktionen.

Sven Köppe, seit einem Jahr Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, wagte einen Blick in die Zukunft. In weiteren 20 Jahren wolle man »noch einmal hier stehen« und bis dahin größer geworden sein.